Archiv: Der Maulwurf und die Nelken

Letzte Veranstaltungen: nachlesen und reinhören…..
Portugal – Veranstaltungsreihe der translib Leipzig, 30. April – 26. Juni 2014
A toupeira e os cravos // Der Maulwurf und die Nelken

Diskussionsveranstaltung mit Charles Reeve und Ricardo Noronha

Ajustar contas ainda abertas – 40 anos de luta de classes em Portugal. Debate acerca da „Revolução dos Cravos/PREC“, com um participante e um activista de Portugal, Charles Reeve (Crónicas portuguesas, 2001) e Ricardo Noronha (colaborador do Vol. 15 da „Biblioteca da Resistência“)

Die Abrechnung steht noch aus – 40 Jahre Klassenkämpfe in Portugal. Diskussionsveranstaltung zur „Nelkenrevolution / PREC“ mit Teilnehmer und Aktivisten aus Portugal (Autoren u.a. in „Tranvía“ und Band 15 der „Bibliothek des Widerstands“)

Material zum Thema:
Der Ankündigungstext zur Diskussionsveranstaltung auf translibleipzig.wordpress.com
Charles Reeve: L‘imprévisible, notre territoire fertile (Der neueste Essay von Charles Reeve zu Portugal (PREC 1974-75 und aktuelle Gegenwart) vom April 2014)
Charles Reeve: Das Unvorhersehbare – unser Territorium (Übersetzung aus dem Französischen: translib Leipzig)
Charles Reeve: Das Unvorhersehbare … (Reeves Essay in seiner ersten deutschen Rohübersetzung: zur Mitwirkung und Verbesserung zwecks lesbarer Endfassung, die zugleich seine Gedankenführung korrekt, adäquat und optimal wiedergeben soll)
Ricardo Noronha: Never has a winter been so long (Thesenpapier Noronhas von 2013 auf der Homepage der New Yorker Gruppe Affect, in dem er seine Einschätzung der komplizierten Konflikte und Alternativen 1974-75 prägnant verdichtet)
Ricardo Noronha: Der längste Winter (Übersetzung aus dem Englischen: translib Leipzig)
Phil Mailer: Portugal – the impossible revolution?

Am 28.Mai gab es auf Radio Blau (Leipzig) ein Feature zur „Nelkenrevolution“. In einem Gespräch mit der translib wird ein guter Überblick über den Verlauf und das Scheitern des „anhaltenden revolutionären Prozesses“ in Portugal geliefert: Audio

Ergänzungen/ Erklärungen der Translib Leipzig:
Die Sendung war ein live-Interview, dieser Situation sind ein paar typische Mängel geschuldet, um die wir die Hörer_innen um Verständnis bitten und die hiermit korrigiert werden sollen:

Erstens wird die Befreiungsorganisation für Guinea Bissau falsch angegeben (die genannte MPLA ist eine Verwechselung mit der von Angola, ebenfalls ehemalige Kolonie Portugals): Die von der sehr populären Band „Super Mamma Djombo“ unterstützte aber auch kritisierte Befreiungsfront ist die PAIGC (Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde = Afrikanische Unabhängigkeitspartei von Guinea und Kap Verde).
Zweitens wird das portugiesische Wort (eine revolutionäre Neuschöpfung von 1974-75) für „Nichtparteilichsein“, „autonom gegenüber politischen Parteien, Sekten, Gruppen, Apparaten oder Syndikaten“, portugiesisch: „apartidarismo“, mehrmals falsch ausgesprochen bzw. entstellt/verkürzt wiedergegeben.

Drittens ist eine inhaltliche Selbstkritik fällig: der gebotenen Kürze und dem Zeitdruck des Interviews geschuldet, wurde die konterrevolutionär entscheidende Rolle der Sozialdemokratie in der portugiesischen Revolution völlig unterbelichtet, die sozialdemokratische Partei (Mario Soares, Melo Antunes e.a.) wurde eigentlich in der ganzen Sendung geschont. Weiter wurde in demselben Zusammenhang die sehr kampfentschlossene Haltung großer Teile des Proletariats, gerade auch in der letzten Phase Sommer bis Ende November 1975, nicht erwähnt oder hervorgehoben, sondern stattdessen womöglich dem Eindruck Vorschub geleistet, als hätte die ungeheure Mehrzahl der lohnabhängigen Bevölkerung während des „anhaltenden revolutionären Prozesses“ (PREC) spätestens seit dem Sommer 1975 es einfach mit der Angst bekommen und sich deshalb von der autonomen revolutionären Aktivität und Selbstorganisierung abgewendet. Die Kompliziertheit des rechtsreaktionären+sozialdemokratischen Zangenangriffs „unten“ und der Salami-Taktik von „oben“, mit der die Konterrevolution den PREC schliesslich abwürgen und umkehren konnte, gelang es in dieser Sendung kein bisschen darzustellen.

Eine weitere unnötige Schwäche ist die unpräzise, nebulöse und klischeehaft-pauschale Auskunft zu der ökonomischen Struktur und Abhängigkeit des damaligen Portugal, insbesondere das Ausweichen vor der Frage nach den wirtschaftlichen und politischen Verbindungen seitens Westdeutschlands.