Archiv für Oktober 2011

10. 11. // Vortrag: „Simone de Beauvoir heute“ (Roswitha Scholz)

Farbfoto, das Simone de Beauvoir in einem roten Mantel freundlich lächelnd zeigt.

Als erster unserer „Drei Vorträge zur Dialektik von Existenzphilosphie und westlichem Marxismus“ wird am Donnerstag, 10.11. um 19 Uhr im großen Saal des IVI der Vortrag „Simone de Beauvoir heute“ von Roswitha Scholz stattfinden.

Simone de Beauvoirs Buch Das andere Geschlecht spielte in der feministischen Theorie/Genderforschung lange keine Rolle mehr. In letzter Zeit taucht de Beauvoir aber nicht nur in neu erstellten Überblickswerken zu Klassikerinnen des Feminismus wieder auf, zu ihr und ihrer Theorie wurden inzwischen auch vermehrt Tagungen und Veranstaltungen angeboten (was wohl mit ihrem hundertsten Geburtstag 2008 zusammenhängt). Hie und da erinnert man/frau sich wieder an sie. Dies dürfte nicht zuletzt einem Selbstreflexivwerden von Feminismus und Genderforschung in der gegenwärtigen Krisensituation geschuldet sein. Dabei stellen sich die Fragen des „Wie weiter?“ und „Was kommt nach der Genderforschung?“. In den 1970er Jahren hatte sich insbesondere ein Gleichheitsfeminismus mit dem Slogan „Man wird nicht als Frau geboren, sondern dazu gemacht“ auf de Beauvoir berufen. Ein Differenzfeminismus bezichtigte sie sodann, männliche Normalitätskriterien auf Frauen anzuwenden. Schließlich wurde ihr in den 1990er Jahren von einem dekonstruktiven Feminismus vorgeworfen, trotz all ihrer Kritik der hierarchischen Geschlechterverhältnisse einem dualistischen Denken verpflichtet geblieben zu sein und eine erneute Herstellung von Zweigeschlechtlichkeit betrieben zu haben. In dem Vortrag wird eine zeitliche Einordnung des „anderen Geschlechts“ und seiner Bedeutung vor dem Hintergrund der Wert-Abspaltungskritik versucht sowie auf Aspekte hingewiesen, die durchaus noch heute Aktualität beanspruchen können.

Drei Vorträge zur Dialektik von Existenzphilosphie und westlichem Marxismus

Ein Buch, das die Lektüre einer Epoche sein will, legt nur Zeugnis vom unbestimmten Verlauf dieser Epoche ab; ein Buch, das die Epoche tatsächlich verändert, verbreitet auf dem Feld zukünftiger Umbrüche auch den Keim der Veränderung. Wenn für das Handbuch beides gilt, so liegt dies an einer klaren Parteinahme für die Radikalität, für das Primat jenes „Ich“, das in der Welt ist, ohne von der Welt zu sein, und dessen Emanzipation von nun an die Vorbedingung für alle diejenigen ist, die erkennen, dass „leben lernen“ nicht „überleben lernen“ bedeutet.

(Aus: Raoul Vaneigem: Vorwort zur Nachauflage 1991 des Handbuch der Lebenskunst für die junge Generation)

Unter dem Titel „Drei Vorträge zur Dialektik von Existenzphilosphie und westlichem Marxismus“ wird es in den kommenden Monaten eine kleine Fortsetzung der vergangegen Veranstaltungsreihen „Der Gangsterboss des Existenzialismus“ und „Existentialism revisited“ geben.1 Die drei Vorträge sind:

- Roswitha Scholz: „Simone de Beauvoir heute“ (10. 11.)

- Christoph Zwi: „Lukács‘ Heidegger-Kritik“ (24. 11.)

- Magnus Klaue: „Abschied von der Geschichtsphilosophie: Adorno, Sartre und die Sehnsucht nach der positiven Freiheit“ (1. 12.)

Die Vorträge finden jeweils donnerstags, 19 Uhr im Saal des IVI statt.

In diesem Zeitraum soll ebenfalls unser Lesekreis, der sich im Augenblick Sartres Fragen der Methode widmet, und sich derzeit in einer Sommerpause befindet wieder aufgenommen werden. (Vgl.)

Bei Interesse am Lesekreis oder Fragen zur Veranstaltungsreihe kontaktiert uns am besten über die Email-Adresse des Sartre-Lesekreises (jpsartre [ at ] email.de).

Die Ankündigstexte der Vorträge werden rechtzeitig vorher auf dem translib-Blog veröffentlicht.

  1. Umfassend dokumentiert sind diese Aktivitäten auf dem Blog La vache qui rit.[zurück]